Die Eizelle wird im Moment der Befruchtung so behandelt, als verwandle sie sich magisch in eine völlig neue Zelle – die Zygote –, nur weil jetzt ein anderes Genom in ihr liegt. Dabei ignoriert man geflissentlich, dass dieses „neue“ Genom zunächst keinen einzigen funktionalen Finger rührt. Bis zum 4- bis 8-Zellstadium läuft alles ausschließlich auf der biochemischen Infrastruktur der Eizelle selbst. Die frühen Teilungen erzeugen lediglich mehrere Kopien eines Genoms, das immer noch passiv im maternalen Zytoplasma treibt, während dieses Zytoplasma die eigentliche Arbeit leistet: epigenetische Reorganisation, molekulare Neustartprogramme, Entwicklungskontrolle.
Trotzdem wird dieser völlig von der Eizelle gesteuerte Prozess rhetorisch so umgedeutet, als beginne hier bereits ein eigenständiger „neuer Organismus“. In Wahrheit ist die viel beschworene Zygote in ihren ersten Stunden und Tagen nichts anderes als die Eizelle im Übergang – eine Eizelle, die den Generationswechsel managt, während das Genom noch nicht einmal aufgewacht ist. Die biologische Orthodoxie feiert also ein Genom, das funktional schläft, und übergeht die einzige Zelle, die tatsächlich handelt.
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